Von 4000‑Tonnen zur Kartoffelkampagne
Die Kartoffel ist mehr als ein Grundnahrungsmittel – sie steht für Landwirtschaft, regionale Versorgung und die Frage, wie wir Lebensmittel produzieren, verteilen und wertschätzen. Besonders deutlich wird dies im Jahr 2025: Während bundesweit große Mengen Kartoffeln die Regale füllen und die Preise unter Druck geraten, entstehen Initiativen, die unsere Ernährungssysteme neu denken und gestalten.
Die 4000‑Tonnen‑Aktion: Überschüsse sinnvoll nutzen
Ende Januar 2026 sorgte die Aktion „4 000 Tonnen Kartoffeln für Berlin“ für Aufmerksamkeit. Hierbei stellten Landwirt*innen rund 4 000 Tonnen Kartoffeln kostenlos zur Verfügung, die aus wirtschaftlichen Gründen vom Handel nicht abgenommen wurden. Ziel war, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und die Knollen direkt an Menschen, Initiativen und Nachbarschaften weiterzugeben.
Die Aktion zeigte eindrucksvoll, wie solidarisches Engagement wirken kann: Ehrenamtliche packten mit an, verteilten die Kartoffeln an Schulen, Kitas, Suppenküchen und Nachbarschaftsprojekte. Menschen erfuhren direkt, wie viel regionale Landwirtschaft produziert, und wie wichtig es ist, Überschüsse sinnvoll zu nutzen.
Kritische Stimmen und Herausforderungen
So positiv diese Aktion auch war, sie macht gleichzeitig die strukturellen Probleme unseres Ernährungssystems sichtbar:
Marktversagen: Trotz guter Ernte bleiben große Mengen unverkauft, weil der Handel sie nicht abnimmt. Viele Höfe bleiben unterfinanziert, da Preise sinken und große Mengen Ware ungenutzt bleiben.
Logistische Hürden: Die Verteilung von 4 000 Tonnen Kartoffeln erfordert enorme Organisation – LKW, Lager und freiwillige Helfer*innen. Solche einmaligen Aktionen lassen sich nicht einfach in ein dauerhaftes System überführen.
Keine langfristige Lösung: Kritiker*innen betonen, dass solche Aktionen Überschüsse lindern, aber nicht die Ursachen von Überproduktion, Preisdruck und fehlenden regionalen Vermarktungswegen beheben.
Die PlantAge Kartoffelkampagne: Nachhaltige Perspektiven schaffen
Aus diesen strukturellen Herausforderungen entstand die Kartoffelkampagne von PlantAge. Anders als einmalige Verteilaktionen ist sie eine dauerhafte Initiative, die faire Beziehungen zwischen Erzeugerinnen und Verbraucherinnen stärkt.
Im Jahr 2025 konnte auch die PlantAge Genossenschaft eine sehr gute Kartoffelernte einbringen: Durch günstiges Wetter wurden gut 45 Tonnen Kartoffeln geerntet. Diese Menge zeigt das Potential regionaler, ökologischer Produktion, wirft aber auch die Frage auf, wie diese Produkte langfristig auf den Teller gelangen, statt ungenutzt zu bleiben.
Die Kartoffelkampagne setzt genau hier an:
Direktbezug von Kartoffeln, Gemüse und Obst aus der Region
Transparenz über Lagerbestände und verfügbare Produkte
Faire Preise statt Ramschangebote, damit Landwirt*innen langfristig wirtschaften können
Weniger Verschwendung durch verlässliche Beziehungen zwischen Produzentinnen und Abnehmerinnen
Verbraucherinnen werden ermutigt, **Kartoffeln direkt bei den Landwirtinnen zu kaufen**, damit das Geld vor Ort bleibt und Anreize für nachhaltigen Anbau bestehen. So entsteht ein System, das Mensch, Boden und Klima schützt.
Lernen aus beiden Initiativen
Die Kombination aus spontanen Aktionen wie der 4000‑Tonnen‑Initiative und langfristig angelegten Ansätzen wie der Kartoffelkampagne zeigt mehrere Facetten unseres Ernährungssystems:
Regionale Versorgung braucht verlässliche Strukturen. Wenn Produzentinnen und Verbraucherinnen langfristige Beziehungen pflegen, lassen sich Lebensmittelverluste nachhaltig vermeiden.
Spontane Aktionen sind wertvoll, aber keine dauerhafte Lösung. Sie mobilisieren Ressourcen, machen auf Probleme aufmerksam und schaffen kurzfristige Entlastung.
Faire Preise und Planungssicherheit sind entscheidend. Sie sorgen dafür, dass Bäuerinnen wirtschaftlich arbeiten können und Konsumentinnen zuverlässig versorgt werden.
Fazit
Die 4000‑Tonnen‑Aktion und die Kartoffelkampagne ergänzen sich auf ihre Weise: Die eine zeigt, wie wichtig Solidarität und schnelle Hilfe bei Überschüssen ist, die andere schafft nachhaltige Strukturen für eine faire, regionale Landwirtschaft. Beide Perspektiven zusammen verdeutlichen, dass unser Ernährungssystem sowohl kurzfristige Hilfen als auch langfristige Lösungen braucht – für eine solidarische, zukunftsfähige Landwirtschaft, bei der nichts verloren geht und alle gewinnen.
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